pizzo gallina

überschreitung ostgrat/südflanke

11.08.24

 

eigentlich war ja die überschreitung des mettligrates mit anschliessendem überklettern des pizzo nero und pizzo gallina geplant, doch nach der gestrigen bruchtour reduzierte ich mein vorhaben auf die überschreitung des pizzo gallina.


zustieg:

normalerweise erreicht man die gonerilücke (2740m) von der der letzten haarnadelkurve (2411m) auf der tessiner seite des nufenenpasses. (T2)
doch da ich auf der mettlilücke biwakierte, versuchte ich diese von norden her über den in der landeskarte noch eingezeichneten weg zu erreichen. den ursprünglich geplanten weg über die folgenden zacken zur südlichen mettlilücke und weiter via nord- und nordostgrat des pizzo nero mit abstieg über den westgrat hatte ich mir angesichts des brüchigen geländes aus dem kopf gechlagen.
also stieg ich von meinem aussichtsreich gelegenen biwakplatz in den talboden des gonerlitales ab und gelangte über den nicht mehr vorhandenen mettliglescher an die von ebendiesem freigegebenen felsen. es war nicht ganz offensichtlich, wo der beste weg durch diese steilstufe hochführt, doch rechts einer rinne fand ich ganz akzeptables gelände vor. auf der darüberliegenden steilen flanke ist allerdings beinahe nichts mehr des ehemaligen wanderweges auszumachen. doch dank den steinbockspuren war dann trotzdem ein einigermassen angenehmes höhersteigen in die gonerlilücke möglich. im september 1971 wurde hier vom SAT lugano die capanna gonerli eingeweiht - heute findet man aufgrund der sehr instabilen nordflanke nicht einmal mehr kleinste überreste davon! (T4)


route:

von der lücke aus verfolgt man zunächst den breiten rücken. sobald die schwierigkeiten zunehmen, zeigen einem viele steinmänner zuverlässig den weg. meistens weicht man den ausgesetzten gratpartien auf bändern in der nordseite aus. pt.2844 wird ebenfalls nordseitig absteigend umgangen. so erreicht man den breiten sattel, der in diesem jahr auch mitte august noch gut mit schnee gefüllt war.
ungefähr 10m rechts des sattels führt eine einfache verschneidung über die felsstufe, oben zeigt wiederum ein steinmann den weg nach rechts. zum schluss über eine schöne rippe linkshaltend auf ein grosses blockfeld. über dieses hoch und die nächste breite erhebung überklettern (schöne felsen im abstieg). nun steht man vor einem sehr scharfen turm, der links umgangen wird. gleich anschliessend zunächst über ineinander verkeilte blöcke, dann durch einen steilen riss zurück zum grat. über den breiten blockgrat zum gipfel. (T5)

bewertung: E3, T5, II

material: falls man sichern möchte: 30m-seil, schlingen

angetroffene verhältnisse am 11.august 2024:
perfekte verhältnisse, die schneefelder am morgen noch etwas hart

ein weiterer einzelgänger an diesem berg


abstieg:

der abstieg über den südgrat ist vermutlich etwas ausgesetzter als der ostgrat, zudem stellenweise auch brüchiger. vor allem zu beginn der rippe sollte gut auf lose platten geachtet werden (zum teil auch erstaunlich grosse!)
zunächst verfolgt man die schwach ausgeprägte rippe, die im östlichen gipfelsteinmann kulminiert. entlang von steinmännern und wegspuren absteigen, bis man an ein paar nadeln und zacken auf der westlichen seite vorbeiklettert. an der steilsten stelle ist eine abseilschlinge vorhanden, doch abklettern (II) ist hier problemlos möglich. die sehr zahlreichen steinmänner führen einem auf den von weitem sichtbaren breiten vorbau (2836m). gegen ende des vorbaus zeigen einem wiederum steinmänner und wegspuren den weg in die ostseitige abschüssige flanke. zum schluss wäre wieder eine solide abseilschlinge vorhanden, doch (von oben gesehen) rechtshaltend kann man gut in die nische am wandfuss abklettern. mit wenigen schritten erreicht man den moränenkamm. (ebenfalls T5)
über diesen zunächst über blöcke, bald auf wanderweg richtung chilchhorn auf- und am felssturz vorbei zum nufenenpass absteigen.



gonerlilücke, capanna gonerli
einweihung der capanna gonerli am 28.september 1971 © SAT lugano



gonerlilücke, capanna gonerli, gonerlihütte
schon bald zeigten sich sowohl im holzboden wie auch in den steinfassaden breite risse © siso@hikr



gonerlilücke, gonerlihütte
1999 wurde die hütte dann vom SAT lugano aufgegeben © siso@hikr



gonerlilücke, capanna gonerli
der letzte ecken der capanna gonerli am 29.juni 2009, bevor auch dieses teil noch in die tiefe stürzte © siso@hikr



pizzo gallina, gonerlilücke
heute erinnert nichts mehr auf der gonerlilücke an die ehemalige schutzhütte © marco volken



pizzo gallina überschreitung E-S
pizzo gallina überschreitung E-S: blick zum ersten teil des ostgrates



pizzo gallina, blockhalde
pizzo gallina überschreitung E-S: die blockhalde oberhalb der felsigen wandstufe



pizzo gallina überschreitung E-S
pizzo gallina überschreitung E-S: die breite erhebung in der bildmitte wird überklettert



mettlihorn, mettligrat
pizzo gallina überschreitung E-S: schöner blick zum mettligrat



pizzo gallina, steinbock
pizzo gallina überschreitung E-S: der steinbock auf dem gipfel des breiten turms lässt sich durch mich nicht stören



pizzo gallina überschreitung E-S
pizzo gallina überschreitung E-S: der abstieg vom breiten gipfel in schönem fels



pizzo gallina überschreitung E-S
pizzo gallina überschreitung E-S: blick zurück von der moräne zur untersten abkletterstelle in der südflanke



pizzo gallina, chilchhorn
pizzo gallina überschreitung E-S: blick zurück vom chilchhorn, rechts der langgezogene ostgrat



pizzo gallina überschreitung E-S
pizzo gallina überschreitung E-S: der ungefähre abstieg durch die südflanke


   letzter bericht   
nächster bericht

 

bergtouren chronologisch
bergtouren  alphabethisch
bergtouren  nach regionen

raritäten chronologisch
raritäten nach regionen

nordwände chronologisch
nordwände  nach regionen

klettertouren chronologisch
klettertouren nach regionen

top-10-touren
beste nach regionen
alle 4000er der alpen
weitere häufig besuchte berge

erstbegehungen

möbelschreinerei
kontakt: info_ÄT_holzding.ch

haftungsausschluss