sciora dafora
fuorikante (NW-kante)
25.07.24
es gibt wohl wenig spektakulärere anblicke von bergmassiven als die sciora-gruppe, zuhinderst im val bondasca. man glaubt beinahe, sich nach patagonien verirrt zu haben!
als die kühnste nadel erschient sicherlich die ago die sciora, während der anspruchsvollste anstieg hingegen über die unglaublich ausgesetzte NW-kante der sciora dafora führt, auch "fuori"-kante genannt. während die klassische route von 1933 den sehr schönen vorbau auf einem bändersystem umgeht, wählten wir den zustieg zum oberen teil der kante über die "via diretta integrale" von 1969 (unten) und 1998 (mittlerer teil). so darf man gesamthaft 24 meist sehr lange und häufig anhaltende seillängen klettern!
zustieg:
• da alle wege im val bondasca aufgrund des riesigen bergsturzes vom 23.august 2017 gesperrt sind, gilt es zunächst von der albigna-seilbahn (2097m) über den cacciabella-pass (2984m) in die capanna di sciora (2117m) zu gelangen. die sechs stunden, die dafür veranschlagt werden, sind mit den schweren rucksäcken (nebst kletter- und eisausrüstung auch essen, kocher und gas) nicht allzu stark zu unterbieten. T4, 5h
• alternativ könnte man auch über den alten weg durch's val bondasca hochsteigen, was aber verboten ist. auf dieser variante würde man sich über eine stunde lang im gefährdeten bergsturzgebiet aufhalten. T3, 3¼h
von der hütte verfolgt man auf dem weg richtung pass cacciabella sud bis circa 2200m und wendet sich nun südöstlich und geht durch den geröllkessel richtung wandfuss. der einstieg der "via diretta integrale" befindet sich etwas rechts des tiefsten punktes des vorbaus. die markierung liegt in diesem sommer selbstverständlich noch tief unter dem schnee.T4, 1¼h
route:
die "via diretta integrale" wurde 1998 moderat saniert, sodass einem nun beste inox-haken den weg weisen. auch könnte über diese route dank perfekten ständen und steilem gelände gut abgeseilt werden. nach sechs seillängen kreuzt man zum ersten mal das bändersystem des klassischen zustiegs. bis hierhin führte die "integrale" von 1969. für den folgenden steilen dunklen pfeiler mit der von weitem sichtbaren riesigen verschneidung wechselt man nach rechts und erklettert anschliessend die verschneidung in zwei seillängen (erweiterung der "integrale" von 1998). hier endet die route über den vorbau und man klettert nun entlang der klassischen linie. gleich bei der ersten länge heisst es richtig zupacken: steile kletterei an seitgriffen führt zum folgenden standplatz. auch diese länge wurde saniert, somit wäre hier der letzte stand, von wo die tour noch mit vernünftigem aufwand abgebrochen werden könnte. (3¾h)
nach einer weiteren länge traversiert man ein wenig nach rechts, um am rand der riesigen felsausbrüche wieder zurück zur kante zu gelangen (bei dieser länge war uns der weiterweg nicht ganz klar. wir gerieten zu stark nach rechts und mussten so durch die ausgebrochenen felsen wieder zurück gelangen. anschliessend wird die wegfindung einfach: immer wenig links der hie und da äusserst schmalen kante geht es in sehr schöner, aber auch häufig schwieriger kletterei auf den gipfel des pfeilers. die schlüssellänge wurde 1965 mit stifthaken versehen, sodass man sich hier mit hakenhilfe hocharbeiten kann (doch man sollte die "leichteren" seillängen keinenfalls unterschätzen!). anschliessend in drei wenig schwiereigen längen auf den vorgipfel und von hier seilfrei in leichtem gekraxel auf den eigentlichen gipfel. (weitere 3¼h)
bewertung: E5, SS, 6a+/A0 (oder 6c)
material: 2x50m-seile, schlingen, 8 express, cams #0,3 bis #2 (falls man zwischen den stifthaken in der schlüssellänge ebenfalls artif klettern möchte, benötigt man noch einen kleineren keil), steigeisen und pickel
angetroffene verhältnisse am 25.juli 2024:
perfekt trockene verhältnisse, genügend warme temperaturen (man klettert beinahe bis auf den pfeilerkopf im schatten, was circa 18 seillängen bedeutet!). die zustiegsmarkierung lag bei uns noch unter viel frühlingsschnee, doch dank den inox-bohrhaken war der einstieg auch so gut auffindbar.
keine weiteren seilschaften an diesem berg
abstieg:
keinesfalls sollte der abstieg auf die leichte schulter genommen werden:
• der einfachste abstieg führt zunächst entlang von steinmännern über die nordostflanke richtung ostgrat, bis man auf einem band ins scioretta-couloir wechseln kann. durch dieses hinunter auf die schrofen auf der albigna-seite. das scioretta-couloir sollte allerdings nur mit guter schneelage begangen werden, da es ausgeapert sehr steinschlägig sein soll.
• doch da wir wieder zur sciorahütte zurückkehren wollten, wählten wir den abstieg richtung torre innominata. dazu wechselt man auf einem band oberhalb des oben erwähnten bandes zurück zum grat und verfolgt diesen nordwärts bis zu einer abseilstelle. hier 45m in die scharte vor der scioretta (2970m) abseilen. da auch hier mehrere ausbrüche stattgefunden haben, ist der weiterweg nicht ganz klar. wir erkletterten den ersten kleinen turm auf der linken seite und wechselten dahinter nach rechts in den ausbruch. in diesem ausbruch führt eine kurze verschneidung nach oben, anschliessend gleich wieder nach rechts exponiert zu einer zweiten verschneidung. zunächst in einfacher kletterei aufwärts, bis einem zum schluss ein lästiger überhang den weiterweg erschwert. über diesen hinauf zu stand circa 12m unterhalb des scioretta-gipfels. nun um's eck und auf der linken seite auf einem bändersystem absteigend zu einer platte. die platte queren, aber nicht die hier ansetzende steil abfallende seitenrippe weiterverfolgen, sondern nochmals ums eck richtung nordosten auf den grat zurück. entlang von steinmännern (danke mäse!) zum schönen grat, der zur scharte vor dem torre innominata führt. in vergnüglicher kletterei an fantastischem fels bis kurz vor die scharte. hier 50m in diese abseilen, wo man zugleich auf den obersten stand der sportkletterroute "noëmi" stösst. über diese runter zu den schnee- oder geröllfeldern oberhalb der alp sciora. ZS, II-III (die eine überhängende stelle bei der scioretta VI), 3½h
sciora dafora fuorikante: welch ein anblick! die scioragruppe vom val bondasca aus gesehen
sciora dafora fuorikante: die kecke ago di sciora, links vorne der radar, der NE-wand des pizzo cengalo überwacht
sciora dafora fuorikante: die schmale haifischflosse der fuorikante
sciora dafora fuorikante: blick zum pizzo cengalo mit dem gut sichtbaren ausbruch und zum pizzo badile
sciora dafora fuorikante: sciora dafora, punta pioda und ago di sciora
sciora dafora fuorikante: der gemütliche winterraum der capanna di sciora
sciora dafora fuorikante: der einstieg zur "via diretta integrale" befindet sich wenig rechts des pfeilerfusses
sciora dafora fuorikante: fantastischer granit in der "via diretta integrale"
sciora dafora fuorikante: in der monster-verschneidung im mittelteil
sciora dafora fuorikante: gleich die erste länge der klassischen kante erweist sich als knacknuss
sciora dafora fuorikante: blick zum bergsturzgelände des pizzo cengalo und zum pizzo badile
sciora dafora fuorikante: in der länge vor der rechts-traverse
sciora dafora fuorikante: in der 6a+ länge streift uns zum ersten mal die sonne
sciora dafora fuorikante: die schlüsssellänge ist durch stifthaken entschärft worden...
sciora dafora fuorikante: ...wohingegen die folgende 6a-länge ziemlichen einsatz erfordert
sciora dafora fuorikante: die letzte länge vor dem pfeilerkopf...
sciora dafora fuorikante: ...und die letzte länge vor dem vorgipfel
sciora dafora fuorikante: im abstieg sieht man die fuorikante schön im profil
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