charmoz - grépon

überschreitung nord-süd

13.06.26

 

der "eberlein"-führer meint
zur aiguille des grands charmoz: "sehr schöne klassische führe, abwechslungsreich mit einigen heiklen und ausgesetzten passagen. in verbindung mit der überschreitung des grépon zählt diese relativ lange bergfahrt zu den lohnensten anstiegen im IV.grad nicht nur der mont-blanc-gruppe, sondern der ganzen alpen." (wobei dieser IV.grad mit vorsicht zu geniessen ist!)
zur aiguille du grépon: "klassische, hervorragend schöne, gelegentlich anstrengende kletterei in bestem fels."


zustieg:

selbstverständlich könnte man im privaten refuge auf der plan de l'aiguille nächtigen, doch angesichts der mit 14-16 stunden veranschlagten zeit für die tour entschieden wir uns, von einem biwak auf der moräne westlich des glacier des nantillons aus zu starten. wir fanden auf halber höhe einen grossen block mit zwei gedeckten schlafplätzen, anderntags stellten wir dann fest, dass bei pt.2525 viele bequeme biwakplätze vorhanden gewesen wären. ein start von hier aus würde sich sicherlich anbieten. (T3, 1¼h)


route:

frühmorgens quert man die schneefelder ostwärts, um links der felsbastion "rognon des nantillons" zum oberen teil des nantillons-gletschers aufzusteigen. früh im jahr findet man am rande zwischen gletscher und rognon einen steilen durchschlupf. falls dieser nicht mehr begehbar ist, wechselt man auf einem offensichtlichen band auf die felsbastion und verfolgt dort die steinmänner, um auf die flache schneeterasse darüber zu gelangen. nun wiederum östlich ansteigend zum fuss des markanten couloirs zwischen charmoz und grépon. (ZS, 2¾h)

aiguille des grand charmoz südwestwand und nordgrat: im oben erwähnten couloir steigt man nun leicht links haltend etwa 200m höher, bis man zu einer terasse gelangt. hier sieht man auf einer schwach ausgeprägten rippe auf der linken seite den ersten steinmann. zu dieser rippe wechseln, ein wenig aufwärts und nochmals eine halbe seillänge nach links zu einem weiteren steinmann. hier beginnen die hauptschwierigkeiten: in rissen und kaminen steigt man in circa 10 seillängen zum nordgrat empor, wo man zum ersten mal an die sonne gelangt. nun verfolgt man alles den von einigen türmen gespickten nordgrat bis zum gipfel der aiguille des grand charmoz. der erste kleine gendarme wird rechts umgangen, der zweite halb erklettert, dann links umgangen. der dritte gendarme namens "carrée" umgeht man wiederum auf der rechten seite, um dann von links her auf den flachen gipfel des folgenden turmes zu gelangen. 15m abseilen, dann den nächsten gendarme ostseitig umgehen und die letzten beiden überschreiten. so gelangt man auf das westseitige band unterhalb des gipfels. eine kurze seillänge führt auf den gipfel, anschliessend seilt man wieder zu diesem band zurück ab. (4h)

aiguille du grépon nordgrat: man verfolgt dieses band, bis es zu den westseitigen schuttfeldern der scharte zwischen charmoz und grépon abfällt. die erste hälfte lässt sich problemlos in gutem gestein abklettern, während der zweite teil doch eher brüchig ist. angesichts des vielen schnees seilten wir über diesen teil 1x25m ab. unten angekommen steigt man in wiederum nicht allzu zuverlässigem fels zur rechten scharte auf (nicht in die tiefste scharte gleich oberhalb). auf einem breiten band geht's 20m in die ostwand hinaus, um dann die kleine scharte oberhalb zu erreichen. von diesem stand führt ein heikler quergang zum mummery-riss (mit weniger schnee könnte man auch etwas absteigen und etwas weniger schwierig zum riss gelangen). die 10m dieses nun folgenden risses gehören wohl zu den schwersten Ver-längen im ganzen alpenraum. hut ab vor mummery, der diese kletterei 1892 (!) erstbegangen hat. auf einem kurzen band gelangt man zum "trou du canon" und wechselt hier wieder zur ostseite. zunächst einfaches gelände leitet zu einer steilen, abdrängenden rissverschneidung, die unterhalb eines überhängenden turmes endet. der "briefkasten" auf der westseite führt zu einer unangenehm zu erkletternden schuppe, mit der man zurück zum hier scharfen grat gelangt. vom ende der folgenden plattform seilt man kurz in die nächste scharte ab, steigt auf den nächsten gendarm und seilt hier wiederum ab, um die nächste scharte anzupendeln. von rechts her klettert man zurück auf die ostseite und ereicht so das bequeme "vire à bicyclette", auf dem man den letzten turm umgeht. eine etwas einfacher zu erkletternde schuppe führt zur schlusslänge: dem Z-riss, der mit einem strengen einstiegszug aufwartet. endlich darf man die madonna auf dem gipfel begrüssen. (3¾h)

bewertung: E5, S, V (achtung: alte chamonix-bewertung! - möglicherweise deutlich schwieriger), 40°

material: zum klettern: 30m-seil (zum abseilen: 60m-seil für den klassischen abstieg oder 2x50m für die abseilpiste), schlingen, 4 express, cams #1 C3 und #0,3 bis #2, steigeisen und pickel
die route lässt sich zwar in bergschuhen klettern, doch häufig wären wir allerdings froh um kletterfinken gewesen (die wir dummerweise nicht mitführten). doch angesichts der vielen breiten risse und des doch noch vielen schnees waren wir auch mit den bergschuhen gut bedient.

angetroffene verhältnisse am 13.juni 2026:
auf dem gletscher dank des vielen schnees beinahe perfekte verhältnisse, obwohl der schnee nicht immer tragend war. die kletterei grösstenteils trocken, allerdings in den nischen und auf den nordseitigen bändern noch viel schnee. beim abstieg war der schnee dann (wie meistens in diesem frühsommer) viel zu weich.

keine weiteren seilschaften in dieser route


abstieg:

wir wählten die abseilpiste zum nantillons-gletscher. zunächst verfolgt man dazu den klassischen abstieg: 15m nach osten abseilen zum letzten stand der route "mer de glace", auf einem band zurück zur scharte im grat. zweimal 25m oder einmal 50m nach südwesten auf ein bändersystem abseilen. auf diesem circa 50m nach süden zu einem ersten abseilstand mit zwei bohrhaken gehen. nun in neun mal 50m auf den gletscher abseilen. es gibt viele schlingenstände unterwegs, doch mit vorteil hält man sich an die gebohrten stände, die immer circa 45m bis 50m auseinanderliegen. anschliessend über den gletscher zurück zum rognon des nantillons, über diesen entlang von steinmännern abklettern, zum schluss evtl. einmal 25m zum oben erwähnten band abseilen. auf der aufstiegsspur zurück zur moräne und von hier zurück zur seilbahnstation.



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: charmoz und grépon im abendlicht



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: biwakfreuden



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: kurz vor dem offensichtlichen couloir



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: dieser turm wird westseitig umgangen



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: auf einem der letzten gendarmen vor dem charmoz angekommen



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: gewagter balanceakt



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: blick zurück vom gipfel der aiguille des grands charmoz



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: von der bresche vor dem mummery-riss aus sieht man gut zum abstiegsband auf der westseite des charmoz



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: unangenehmer einstieg in die abseilfahrt von der plattform



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: blick zurück vom gipfel der aiguille du grépon



überschreitung charmoz - grépon
überschreitung charmoz - grépon: blick zurück von der moräne


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